Über mich

Vor dem Hintergrund der beschleunigten medientechnischen Entwicklung habe ich mich in den vergangenen 15 Jahren als Wissenschaftler und Alltagsmensch mit unserem Hörsinn beschäftigt. Eine der Triebfedern für meine Auseinandersetzungen war meine Erblindung im Jahr 2003. Kaum hatte ich mein Studium begonnen, verlor ich den größten Teil meines damaligen Sehvermögens. Das stellte mich vor große Herausforderungen. Eine davon war die Frage, wie ich mein Studium erfolgreich beenden sollte. Zu dieser Zeit gab es bereits computergestützte Sprachausgaben (sogenannte Screenreader), die mithilfe künstlicher Stimmen digitale Texte vorlesen können.

Das war der Startpunkt meiner auditiven Arbeitsweise, die ich in den folgenden Jahren autodidaktisch immer weiter perfektionierte. Neugierig darauf, wie man bestmöglich mit dem Ohr lesen kann, reflektierte ich meine Hörgewohnheiten. Wiederum einige Jahre später machte ich dies sogar zu meinem Forschungsgegenstand. Im Rahmen meiner Doktorarbeit entwickelte ich ein Konzept des Auditiven Lesens, bei dem es vereinfacht ausgedrückt um ein hörendes Lesen mit Sprachausgabe geht. Mithilfe meiner Forschungsarbeiten konnte ich nachweisen, dass das Auditive Lesen eine spezifische Hörweise ist, die nicht mit einem bloßen Hören eines vorgelesenen Textes oder dem Hörbuchhören verwechselt werden sollte. Es geht tatsächlich um ein LESEN mit dem Ohr, für das weitgehend dieselben Kriterien relevant sind, wie sie uns vom visuellen Lesen vertraut sind. Aus dieser Erkenntnis habe ich meine Namenschöpfung des Auditiven Lesens abgeleitet. Die Bezeichnung ist von der Überzeugung getragen, dass ein hörendes Lesen möglich wird, insofern dabei bestimmte Aspekte berücksichtigt werden. Der Hörsinn kann, darf und sollte dem Auge als Lesesinn gleichgestellt werden und dafür mehr Anerkennung erhalten. Dies gilt insbesondere im Zeitalter der Digitalisierung, da mittlerweile nahezu alle Endgeräte über entsprechende Vorlesefunktionen verfügen.

Zwischen Reiz und Reaktion liegt ein Raum. In diesem Raum liegt unsere Macht zur Wahl unserer Reaktion. In unserer Reaktion liegen unsere Entwicklung und unsere Freiheit.

Viktor Frankl

AKADEMISCHER WERDEGANG

10/2023 – 03/2026
Gastprofessor an der Stiftung Universität Hildesheim mit dem Schwerpunkt Inklusive Pädagogik und Schulentwicklung am Institut für Erziehungswissenschaft, Abteilung Angewandte Erziehungswissenschaft

10/2022 – 09/2023
Wissenschaftlicher Mitarbeiter (wieder Postdoc) am Institut für Sonderpädago¬gik der Leibniz Universität Hannover, Abteilung Allgemeine Behindertenpädagogik / Soziologie der Behinderung

04/2019 — 09/2022
Vertretung der Professur Inklusive Pädagogik und Diversität, Institut für Erziehungswissenschaft an der Universität Duisburg-Essen

09/2017 — 03/2019
Wissenschaftlicher Mitarbeiter (Postdoc) am Institut für Sonderpädagogik der Leibniz Universität Hannover, Abteilung Allgemeine Behindertenpädagogik / Soziologie der Behinderung

11/2016
Promotion im Fach Soziologie an der Leuphana Universität Lüneburg. Titel „Hören als Praxis. Sinnliche Wahrnehmungsweisen technisch (re-)produzierter Sprache“ (summa cum laude)

09/2013 — 08/2017
Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Diversitätsforschung an der Georg-August-Universität Göttingen (

09/2011 — 05/2014
Wissenschaftlicher Mitarbeiter im „Moving Image Lab“ des Innovationsinkubators der Leuphana Universität Lüneburg

10/2010 — 09/2011
Stipendiat der „Stiftung zur Förderung hochbegabter Sinnes- und Körper-behinderter“

04/2010 — 11/2016
Berufsbegleitendes Promotionsstudium (Teilzeit) im Fach Soziologie an der Leuphana Universität Lüneburg

03/2008 — 04/2009
Blindentechnische Grundausbildung an der Blindenstudienanstalt in Marburg

04/2002 — 02/2008
Magisterstudium der Fächer Medien- / Kommunikationswissenschaft und Soziologie an der Georg-August-Universität Göttingen (Sehr gut)

10/2001 — 03/2002
Magisterstudium im Fach Kunstgeschichte an der Goethe-Universität Frankfurt/M.